Kategorie-Archiv: moderner mann

Frauen

Wie sich die alten Hasen hier in der Runde vielleicht noch erinnern können: Die ersten Wörter des Sohnes waren: Mama, Ba, Auto, Bagger und Ja. Mitlerweile, er ist jetzt dreieinhalb, sagt er zumindest gelegentlich auch Papa. Das freut mich natürlich. Dafür bin ich ihm dankbar. Auch als moderner Mann von heute nimmt man schließlich, was man kriegen kann. Und ich habe mich von Anfang an über diese etwas unelegante Ignoranz des kleinen Mannes damit hinweg getröstet, dass Jungs nun mal so sind. Etwas sperrig, zumindest nach außen. Tief drinnen, da denken sie eigentlich nur an den alten Herren der Familie. Sie geben es eben nur nicht so gern zu. Passt schon.

Ganz anders ist das natürlich bei der Tochter. Logisch. Mädchen und Jungs: das sind zwei grundverschiedene Welten. Schon der erste Schrei nach der Geburt war quasi ein Papa! Daran gab’s nie Zweifel. Die Bindung zwischen Töchtern und ihren Vätern ist bekanntermaßen eine ganz innige. Das gilt schon so lange, wie wir Menschen überhaupt reden können. Ach was, das gilt schon so lange, wie es Töchter und Väter überhaupt gibt. Naturgesetze und so. Es ist, als könnten wir gegenseitig unsere Gedanken lesen. Wir sind quasi eins. Was liegt also nahe als das erste offizielle Wort in ihrem Leben? Jenes, das auch andere direkt und klar verstehen? Was, wenn nicht das Rufen nach der wichtigsten Person, die sie hat?

Eben. Also so sitzt die Tochter am Tisch, brabbelt in einem Moment noch onomatopoetisch unverständliches Zeug vor sich hin und sagt im nächsten: ihren Namen. Klar und deutlich. Und von da an in den verschiedensten Tonlagen und Gebrauchsarten. Mal im Imperativ, um zu sagen, für wen bestimmte Sachen, die so herumliegen, am besten geeignet sind. Mal ganz selbstzufrieden, wenn sie genau diese Sachen plötzlich in ihren Händen hält und stolz mit der einen Hand umklammert während die andere sanft darüber streichelt. Und mal ganz selbstbewusst, wenn jemand anderes auf die Idee kommen sollte, mit ihr darüber zu diskutieren, für wen etwas bestimmt sein könnte, was sie sich gerade greifen wollte. Dabei ist es übrigens vollkommen egal, ob es um Delikatessen beim Essen, um Sachen zu machen oder um Dinge beim Spielen geht.

Frauen. Ich glaube, ich werde nie verstehen, was in ihren Köpfen so vorgeht. Und über den jetzt kommenden Wortschatz der jungen Dame im Haus denke ich die nächsten paar Jahre besser nicht zu viel nach.


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Stadtneurotiker

Ganz in der Nähe unserer Heimatbasis gibt es ein Bäckereifachgeschäft. Das ist gut und praktisch so. Denn als moderner Mann von heute schafft man dadurch den Weg selbst am frühen Morgen. Und man macht es sich dabei natürlich auch nicht unbedingt schwerer als nötig. Man sucht sich seinen Weg, man geht diesen Weg, man entwickelt Routine. Raus aus dem Haus, über die Straße, Gehweg, Bäcker. Raus aus dem Bäcker, über die Straße, Gehweg, wieder rein ins Haus. Das ist ganz normal so und ergibt sich vollkommen natürlich. Hin- und Rückweg sind nicht identisch sondern bilden einen Kreis, einen geschlossenen. Man überquert jeweils bei der erstbesten Gelegenheit die Straße, dann hat man das hinter sich. So muss das sein, das ist streng logisch, anders geht es eigentlich gar nicht.

Und neulich morgen, da stand ich mit dem Sohn am Fenster. Eine Hand steckt jeweils in der Hosentasche, die andere hält ein Plüschtier (Sohn) oder eine Tasse Kaffee (ich). Wir beobachten eine beschauliche Sonntagmorgenszenerie. Leute mit Hund. Morgensjogger. Kirchgänger, die sich in der Uhrzeit vertan haben. Lauter ganz normale Leute, die vorüber ziehen. Und ein Nachbar betritt die Bühne. Der will bestimmt zum Bäcker. – denke ich mir und nehme einen Schluck vom Heißgetränk. Während er allerdings gar nicht über die Straße geht sondern einfach nur den Gehweg entlang. Und dann erst über die Straße. Tatsächlich zum Bäcker. Aha, man kann die Runde auch anders herum absolvieren. – denke ich als nächstes und nehme sicherheitshalber noch einen Schluck Kaffee. Woraufhin der Nachbar wieder aus dem Backwarenladen kommt und: sofort direkt über die Straße geht. Und den Gehweg entlang. Und ins Haus herein. Der Mann läuft tatsächlich den gleichen Weg zurück, den er vorher hin gelaufen ist.

Der Sohn und ich: wir gucken uns kurz an, schütteln jeweils den Kopf und drehen ihn wieder zum Fenster.

Nur Neurotiker da draußen!


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Mittagsschlaf

Kinder sind ein Spiegel. Sie gucken einen genau an und machen dann alles nach. Der Unterschied zum Spiegel ist eigentlich nur, dass sie auch dann noch hingucken, wenn man sich selbst schon längst umgedreht hat. Das ist übrigens gar nicht so schlimm, wie mancher von uns gemeinhin denkt. Denn die eigenen Kinder bestätigen einen auch immer wieder darin, dass man sich grundsätzlich korrekt verhält, einen stilvollen Umgang pflegt und auch sonst einfach nur unheimlich großartig, charmant und ausgeglichen ist.

Da sitzt der Sohn schon mal beim Essen und fragt höflich nach einer Serviette, um sich den Mund abtupfen zu können, bevor er zu seinem Glas greift. Da bittet der Sohn schon mal an einem trägen Morgen: Papa, kannst Du mir bitte die Schuhe anziehen? Da unterstreicht er sein Verständnis der Balance von Geben und Nehmen, welche er sich bei seinen Eltern abgeschaut hat, mittels: Ich habe Dir auch schon Deinen Mantel hier hingelegt. Da rennt er auf dem Weg zum Spielplatz schon mal freudig als erster aus der Wohnung, holt den Fahrstuhl und hält an diesem die Tür auf, bis die gesamte Familie es endlich hinein geschafft hat. Da grüßt er vor dem Haus jeden Bauarbeiter mit einem freudigen Guten Morgen!. Welches er allerdings auch nachdrücklich wiederholt, wenn der Angesprochene nicht adäquat reagiert.

Und wenn man als moderner Mann von heute mal voller Elan und guter Laune von der Arbeit nach Hause kommt, da man sich auf rasantes Spiel mit dem Sohn und seinem Fuhrpark freut oder es kaum erwarten kann, in seinem Einkaufsladen wieder nichts verkauft zu bekommen, dann, ja, dann kann es schon mal passieren, dass der Sohn die gerade mit ihm spielende Dame des Hauses fragt: Mama, hat der Papa heute im Büro Mittagsschlaf gehalten?

Ich frage mich, woher er das nur hat.


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Streetworker

Es gibt so Tage, an denen sitzt man auch als moderner Mann von heute am Abend da und lässt die Zeit Revue passieren. Und stellt fest, dass manchmal aus ganz unerwarter Richtung Abwechslung in den Alltag kommt. Zum Beispiel, wenn überraschend jemand anderes auf einen zukommt und um Unterstützung bei dem Abgewöhnen einer alten Gewohnheit bittet.

Abwechslung vom Alltag ist immer gut, denkt man sich vielleicht und stimmt ohne groß zu überlegen zu. Man hilft schließlich gern und wo man nur kann. Wer würde sich da schon mit großen Fragen nach wahrscheinlich unrelevanten Details zur besagten Gewohnheit aufhalten? Eben.

Also setzt man sich mit seinem Patienten zusammen und stellt recht schnell fest: Es ist ein Junkie auf Entzug. Aber zugesagt ist zugesagt, versprochen ist versprochen und Aufgeben natürlich keine Option. Also begibt man sich für eine Weile auf die gemeinsame Reise zwischen Hochs und Tiefs. Zwischen totaler Euphorie und aggressiver Manie. Man stellt schnell fest, dass eine abwechslungsreiche Tagesgestaltung vieles vereinfacht, aber das Leben in der Nacht für den Patienten unsäglich schwerer wird. Man zieht bei ihm ein, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Das wissen wir doch alle. Man lässt sich mitten in der Nacht erst anbrüllen und dann anflehen: Nur noch dieses eine Mal! – heißt es dann. Ich komme sonst nicht durch die Nacht! Und man bleibt standhaft, natürlich. Redet. Hält Händchen. Beruhigt. Lenkt ab. Hilft zurück in den Schlaf. Und wartet auf den nächsten Schub.

Und dann auf einmal ist’s vorbei. Der Patient ist ruhig, ausgeglichen, schläft entspannt durch die Nacht. Er hat’s geschafft und ist wohl clean.

Heute ist so ein Tag. Es ist Abend. Man sitzt halt da. Zeit. Revue. Passieren lassen. Und kurz bevor man ins eigene Bett geht, um auch selbst mal wieder ungestört und in Ruhe durch zu schlafen, da überlegt man, ob auf einmal ein Streetworker aus einem geworden ist oder ob schlicht der eigene Sohn vor ein paar Tagen beschlossen hat, seine gesamte Nuckelware an die Schnullerfee zu übergeben.


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Feiertagerei

Es gibt Tage, an denen kommt man nach Hause und denkt sich nichts böses. Schließlich hat man den ganzen Tag fleißig mit den Kollegen gespielt und sich gegenseitig die Kaffeetassen zugeschoben. Das ist hartes Training. Danach erschüttert einen nichts mehr.

Bis zur Wohnungstür. Welche kaum aufgeht, weil dahinter eine Horde wild gewordener Kleinkinder herumlungert. Von denen ein Teil sofort wild auf einen einredet, ein weiterer Teil einem wild an den Sachen zieht und ein dritter Teil enthusiastisch die aktuelle Beute vom Raubzug durch das Spielzeugreservoir im Kinderzimmer vorführt. Zwischendurch brüllt gern auch jemand laut: TOPF! und passt man als frisch Heimgekehrter nicht gut auf, macht man die Bekanntschaft mit einem elegant geschwungenen Kochlöffel, gefolgt von begeistertem Kinderlachen. Alles halb so wild – denkt man sich als moderner Mann von heute, lacht mit den Halbwüchsigen und wird prompt zweimal von einer Feuerwehr überfahren.

Nur gut, dass der Sohn nicht jeden Tag Geburtstag hat.


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Mutig

Der Sohn ist ein eher vorsichtiger Typ. Ganz ähnlich zu manch anderem Zweijährigen ist er zum Beispiel gegenüber Leuten recht zurückhaltend, die er noch nie oder schon seit sehr langem nicht mehr gesehen hat. Da stürmt er nicht gleich freudig los und umarmt sie, sondern lehnt sich erst einmal schüchtern und elegant gegen mich und wartet ab. Als moderner Mann von heute biete ich in solchen Situationen natürlich Halt und bilde seinen Fels in der Brandung des Ungewissen.

Auch für wilde Abenteuer ist dem Sohn eine vertraute und zumindest halbwegs sichere Umgebung ein Bedürfnis. Fremdes Lokal? Neben den Herrn Papa setzen und leise ein Eis bestellen lassen. Fremde Wohnung? «Papa! Hand!» Fremde Treppen, die wir noch nie zusammen gelaufen sind? «Papa! Arm!» Fremde Kinder? Skeptische Distanz. Fremde Kinder in fremder Wohnung? Große Augen, wer sich denn das ausgedacht haben könnte.

Wie gesagt: Der Sohn ist in der Fremde von einem vornehm zurückhaltenden Naturell.

Er ist, wie er ist. – denken wir als verständnisvolle Eltern. Dann können wir das auch gleich ausnutzen. – denken wir logisch weiter und planen, zum Urlaubsausklang auf dem Weg vorbei an Hamburg bei den quasi-Blognachbarn von 24sieben vorbei zu schauen. Gedacht, geplant, getan. Und was macht der Sohn? Auf den ersten Blick offenbar nichts. Was zu erwarten war. Siehe oben. Wäre er nicht beim zweiten Blick ebenso verschwunden wie die beiden Töchter des Hauses.

Erst kurz vor Aufbruch tauchen sie zu dritt wieder auf: glückselig und Hand-in-Hand schlendern sie die Treppe aus dem Dachgeschoss des Hauses herunter. Meinen fragenden Blick beantwortet der Sohn mit dem wissenden Lächeln des Jungen von Welt, der sich gerade von zwei charmanten jungen Damen ihr Reich hat zeigen lassen.

Ich schieb’s erst einmal auf seine entspannte Urlaubsstimmung und mache mir keine größeren Sorgen. Erst einmal.


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Aus gegebenen Anlass

Was gibt’s schöneres als das eigene Blogarchiv? Sicherlich so einiges. Aber aus gegebenem Anlass verweise ich trotzdem auf die Liste von 5 Dingen, die man in seiner ersten Woche als Papa erledigen kann.

Alles feine Sachen für den modernen Mann von heute.

Von den Großen lernen

Als Zweijähriger ist der Sohn bestrebt, möglichst viel von seiner Umgebung aufzunehmen, um zu lernen, was es alles neues und spannendes im Leben gibt. Natürlich bin ich dabei ein ganz besonderes Vorbild. Was der Herr Papa so macht, das kann schließlich nur gut und richtig sein, denkt sich der Sohn. Er ist eben ein schlaues Kind.

Auf diese Weise ist er schon zu vielen feinen Tugenden gekommen. Seine Tischsitten sind meist tadellos. Er kann sich ganz hervorragend und lässig an einen Türrahmen anlehnen und gleichzeitig ein Getränk locker in der Hand balancieren, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten. Er behandelt alle Frauen, die ihm lieb und wichtig sind mit viel Charme und Aufmerksamkeit. Er kann im Buggy durch die Stadt fahren und trotz Sonnenbrille und in die Stirn gezogenem Hut genug von seiner Umwelt mitbekommen, um Bagger sowie jene Frauen, die ihm lieb und wichtig sind schon aus großer Entfernung und sehr treffsicher zu erkennen.

Oder anders gesagt: seine Beobachtungsgabe und sein Lernwille haben ihn alle wesentlichen Hürden des bisherigen Lebens souverän meistern lassen. Das funktioniert so ganz sicher auch weiterhin.

Aktuell überlegt er gerade, ob das Tragen der Windeln wirklich noch viel länger nötig sein muss. Man könnte schließlich auch immer schön auf die Toilette gehen und zwischendurch das freie, großzügige und nicht-einengende Gefühl genießen. Ich unterstütze das gern und sage ihm freudig, wie großartig der freiwillige Gang zur Toilette für moderne Männer wie uns so ist. Also geht der Sohn zur Toilette und macht es sich bequem.

Kurz darauf: Papa!
Ich: Ja, mein Sohn?
Sohn: Zeitung bringen!

Wie gesagt, er lernt schnell.


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Ein ganz normaler Samstagmorgen

Wochenende ist Ausschlafzeit. Das geht schon am Samstagmorgen los; vor allem, wenn’s am Abend davor mal etwas später geworden ist. Das wissen alle. Nur Zweijährige nicht. Das Exemplar bei uns hier im Haus wurde pünktlich wach und sagte in einem klaren, deutlichen und sehr munteren Ton: «Papa, aufstehen! Frühstück machen.» Als moderner Mann von heute bin ich für solche Manöver natürlich wohl trainiert und kontere schlagfertig: «Nix da, wir haben eh keine Brötchen im Haus.» Das sollte auch der Sohn verstehen, ohne Brötchen gibt’s schließlich kein Frühstück und man kann sich somit einfach noch einmal umdrehen und weiterschlafen.

«Papa, aufstehen! Bäcker gehen.»

Das Manöver hat offenbar außer mir noch jemand anderes gut vorbereitet. Klarer Punktsieg für den Sohn. Also machen wir uns auf den Weg.

Kaum beim Bäcker angekommen, arbeite ich hart daran, meine Augen ausreichend weiter zu öffnen, um das Angebot zu betrachten und meine Bestellung aufzugeben. Während dessen schäkert der Sohn kurz mit der Backwarenfachverkäuferin und beide unterhalten sich kurz. Worüber, weiß ich nicht, ich hab’s nicht so genau verstanden. Nur wenige Augenblicke später war ich aber soweit, meine Bestellung aufzugeben, da reicht sie mir auch schon zwei Tüten über den Tresen, davon eine erstaunlich klein und die geht auch direkt an meinen Begleiter. Er hat das wohl geklärt.

Auch gut. Schön, dass das so schnell ging. Ab auf den Rückweg. Kaffee und Zeitung warten.

Dumm nur, dass gegenüber vom Bäcker gerade ein Einzelhändler seinen Laden schließt und genau an diesem Samstagmorgen ein dicker, fetter Laster davor steht und ein paar starke Jungs palettenweise das verbliebene Interieur des Geschäfts in das Gefährt verladen. Das ist genau das Richtige für den Sohn, welcher sich in zwei Meter Abstand zur Laderampe lässig an einen Bauzaun lehnt und den Männern erst einmal eine Weile zuschaut. Alles nur, um wenig später kurze, aber wertvolle Tipps zu geben, wie sich der Stauraum besser ausnutzen ließe: «Dahin!» – «Nein, da nicht.» – «Palette nach ganz oben!» – «Nicht rollen, tragen!» – «Mann langsam?»

Jetzt wird’s mir doch zu bunt und ich versuche, den Sohn weiter in Richtung heimatlicher Kaffeemaschine zu ziehen. Das ignoriert er völlig, hat nämlich ganz plötzlich nur noch Augen für die ankommende schöne Verkäuferin des Dessous-Fachhandels gleich nebenan. Er flirtet kurz mit ihr, schnappt sich meine Hand und zieht mich strammen Schrittes ihr hinterher. Vor ihrem Laden lächeln sich beide noch einmal kurz an, und während sie hinter knapp bekleideten Schaufensterpuppen verschwindet, hat der Sohn den nächsten Laster entdeckt, behält sein Tempo somit bei und zieht mich einfach weiter.

Liegt ja auf dem Weg, denke ich mir und stolpere in meinem Tran fast über den Sohn, der plötzlich stehen geblieben ist, um einem Obstlieferanten beim Auf- und Abfahren seiner Laderampe zu bewundern. «Steig auf und fahr mit» – bietet der Bewunderte großzügig an. Der Sohn winkt lässig ab, rückt sich seinen Hut weiter in die Stirn und sagt nur: «Machst Du gut!» zum Lieferanten, «hoch und runter» – sagt er zu mir. Der Lieferant lacht, greift kurz in eine Kiste und wirft dem Sohn eine Banane zu.

Der schnappt sich diese, guckt mich ungeduldig an und sagt: «Papa, nach Hause! Musst Du Frühstück machen.»

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, warum ich mit aufgestanden bin. Den Gang hätte der Sohn jetzt locker auch allein geschafft.

Politik zum Nachtisch

Man soll nicht nur die Feste feiern, wie sie kommen, sondern auch das Obst dann essen, wenn es frisch ist.

– besonders schlaue Lebensweisheit

Der Sohn hält viel von großen Sprüchen. Und schlauen Lebensweisheiten gegenüber ist er ebenfalls sehr aufgeschlossen. Also sitzt er dort, wo er generell gern sitzt: auf dem hohem Stuhl am Küchentisch. Und brüllt: «Sauer macht lustig!»

Als moderner Mann von heute bin ich natürlich ein Experte im Deuten der Wünsche des jungen Mannes. Hole also die Schälchen aus dem Schrank, fülle sie und stelle sie auf den Tisch.

«Rhabarber, mein Sohn?» – frage ich rhetorisch.

«Mit Eis!»

Auch das. Hauptsache, es schmeckt. Was offenbar der Fall ist, denn die Vorräte schmelzen schnell. Nicht nur beim Eis. Was auch gut so ist, denn Obst soll man bekanntlich essen, wenn es frisch ist. Und ich beschließe mit der Dame des Hauses, die Reste großzügig aufzuteilen. Der Rhabarber muss weg.

«Sohn, möchtest Du auch noch Rhabarber?» – frage ich eher beiläufig.

«Ja. Viel mehr!» Er ist zwar satt, aber zu Opfern bereit. Und erläutert diese gern:

«Obama weg muss!»

Da sag‘ noch mal jemand, die Jugend wäre verdrossen. Politik? Yes, we can! Und verspeisen Euch zum Nachtisch.