Freunde

Der Sohn ist ein routinierter Autofahrer. Geht es darum, so ein Gefährt zu benutzen, um irgendwo hin zu gelangen, diskutiert er nicht lange. Er steigt einfach ein, setzt sich hin, schnallt sich an, sorgt für Musik und erklärt allen anderen, was sie zu tun und zu lassen haben, damit es endlich los geht. Am besten gleich rauf auf die Autobahn. Man möchte schließlich irgendwo hin. Was soll man sich da groß mit Landstraßen und ähnlichen Schleichwegen abgeben?

Ist er erst mal drauf, auf seiner Autobahn, läuft es meist nach einem recht monotonen Muster ab: Anfänglich passt er noch gut auf, dass der Fahrer neben ihm nicht irgendwelche Anfängerfehler macht. Gern kommentiert er auch das skurrile Verhalten all der anderen Amateure in den Autos um ihn herum. Nach einer Weile kehrt dann etwas mehr Ruhe ein, der Sohn hat alles geregelt und für Ordnung gesorgt. Also lehnt er sich entspannt zurück, schließt seine Augen und gönnt sich seine wohl verdiente Ruhe während andere die Routinetätigkeiten übernehmen dürfen.

Am Ende wacht er wieder auf, stellt mit schnellem Kennerblick fest, dass die Reise wie erwartet verlaufen ist und quittiert das mit einer kurzen, knackig auf den Punkt gebrachten Bemerkung. Ob er da jetzt Bagger! oder Ostsee! ruft, kommt halt ganz darauf an, wo es gerade hin geht.

Wie oft der Sohn allerdings unterwegs ist und wie weit er dabei herum zu kommen scheint, das merkt man dann, wenn er sich nach dem Aufwachen die Augen reibt, einmal kurz aufblickt, feststellt, dass er auf einer Raststätte steckt, dort den Leuten in den anderen Autos, auf den Motorrädern und in den LKWs quasi beiläufig zunickt und zu uns nur lakonisch meint: Freunde. Alles meine Freunde.


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