Divide and Conquer

Wir haben Besuch im Haus. Die Großeltern sind da. Und eines Morgens hat es sogar geklappt, dass alle rechtzeitig wach sind, damit die Sache mit dem gemeinsamen Frühstück wie geplant über die Bühne gehen kann.

Wir sitzen also am Tisch. Der Trog mit den frischen Brötchen macht die Runde. Und natürlich passt der Sohn ganz genau auf, dass sich jeder ein Exemplar der korrekten Sorte nimmt. Ordnung muss sein. Das gilt auch schon früh am Morgen. Vollkorn, Multikorn, Schickimicki-Ecke, helles Weizenbrötchen. Alles da. Von allem wird verteilt.

Als nächstes sagt der Sohn an, wer der Reihe nach sein scharfes Messer zücken darf, um die eigene Backware zu zerschneiden und sie mit einem der diversen Beläge zu versehen. Die Mama darf als erste. Hausrecht und so. Also: Brötchen aufschneiden, Marmelade drauf und: ab damit zum Sohn. Vorkosten. Nein, «Probieren» nennt er das. Während dessen schmiere ich mir mein Weizenweck. Sportlich mit Butter darauf. Der Sohn und ich: wir mögen das so. Also bekommt er seine Hälfte ab, ohne groß Worte darüber verlieren zu müssen. Die Großeltern, Omo und Opo, sind dran. Dürfen die Messer zücken, dürfen ihre Brötchenkunstwerke erstellen und: dürfen natürlich den Sohn jeweils probieren lassen. Er kassiert die Brötchen nur so ein und fühlt sich sichtlich wohl mit seinem morgendlichen Sammelergebnis, welches sich auf seinem Teller türmt.

Wir lassen ihm seinen Spaß, Hauptsache der Teller ist leer bevor wir aufstehen. Also greifen wir jeweils schlicht erneut in den Brötchenkorb und genießen unser Frühstück. Den Sohn stört’s nicht. Er ist versorgt und beschäftigt. Nur gelegentlich fragt er reihum an, um mal von den diversen Brötchen einen Happen ab zu bekommen.

Spannend wird’s erst wieder am Ende des Mahls. Wenn zwar noch Appetit da ist, die Brötchen aber offenbar ganz furchtbar riesig geworden sind. In solchen Momenten tun die Großeltern einfach, was Großeltern tun müssen: sie teilen sich ein Brötchen. Eine schneidet es auf und reicht die Hälfte dem anderen herüber.

«Nein!» – ruft in dem Moment der Sohn mit Nachdruck. «Nein! Von mir nehmen!» und er schnappt sich eines seiner Brötchen, reißt es in zwei Teile und befördert eine Hälfte vehement auf den Teller des Großvaters. «Opo: Essen!»

Danach setzt er sich wieder ganz ruhig hin, isst in Ruhe weiter, trinkt noch einen Schluck seines Milchschaums, guckt kurz in die Runde und sagt beiläufig: «Wir teilen.»


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