Gerecht geteilt

Bekanntermaßen ist der Sohn ein sehr generöser Freund. Er gibt gern, er gibt reichlich, er gibt von allem etwas ab. Wenn es nicht gerade um die Bagger im Sandkasten geht, versteht sich.

Das Teilen ist für ihn ein Zeichen der Zuneigung. Dabei übergeht er möglicherweise jene, die er nicht kennt. Vielleicht schneidet er auch jene, die er nicht mag. Aber großzügig bedacht werden alle, die ihm lieb sind. Wie sein Herr Papa, versteht sich. Selbst wenn dieser mal gar nicht anwesend sein sollte.

Wie kürzlich am häuslichen Küchentisch, gedeckt mit Kaffee und Kuchen. Ich war unterwegs, habe mir aber von der Dame des Hauses den Süßspeisenzuteilungsalgorithmus des Sohnes schildern lassen:

Dame: Komm, mein Sohn, ich teile uns dann mal den Kuchen auf.

Sohn: Nein! Ich mach‘ das!

Dame: In Ordnung. Aber nicht alles allein aufessen. Einverstanden?

Sohn: Ja. Ein Stück für Mama. Ein Stück – ich! Zwei Stück für Papa.

Dame: Zwei Stück für den Papa? Das ist aber großzügig von Dir. Da wird er sich aber freuen!

Sohn: (lacht)

Und der Sohn ißt. Schließlich ist der Kuchen noch fast warm, somit ganz frisch und super lecker. Ruck-zuck, ist sein Teller leer.

Sohn: Papa nicht da?

Dame: Nein, der Papa ist im Moment nicht da. Aber er wird sich nachher ganz riesig über seine zwei Stückchen Kuchen freuen.

Sohn: (murmelt) Papa nicht da. (klarer) Ein Stück für Mama!

Und noch während er das sagt, hebt er schon den letzten Rest auf seinen Teller.

Wie gesagt: Der Sohn ist äußerst generös. Aber auch ein Freund großartiger Sprüche. Wie zum Beispiel der über jene, die zu spät kommen und die das Leben bestraft. Das Leben oder der leere Kuchenteller. Der Herr Papa ist natürlich trotzdem der Größte für ihn.

Behaupte ich jetzt mal so.


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