Effizienz

Als moderner Mann von heute ist es mir ein Leichtes, in allem, was der Sohn tut und in vielem, mit dem der Sohn zu tun hat, einen Vorteil zu sehen und oft sogar einen direkten Nutzen abzuleiten. Manchmal kommen die Gelegenheiten hierfür aber doch latent überraschend.

So waren wir kürzlich beim Kinderarzt. Dem Ort des Schreckens. Heimat derjenigen, die von Natur aus davon ausgehen, dass irgendetwas am Sohn nicht im Idealzustand sein könnte, sondern kaputt, krank, heilungsbedürftig, letztlich dem Verfall geweiht. Das ist ein Ort zum Verzweifeln, kein Ort, von dem man mehr mitnehmen kann als einen Sohn, der hoffentlich nicht stärker ramponiert ist als kurz vor dem Termin.

So die Theorie.

Praktisch sah es so aus, dass wir pünktlich zur vereinbarten Zeit dort waren und ohne über Los oder ein Wartezimmer zu gehen gleich ein Behandlungszimmer besetzten. Prompt nach dem Ablegen aller momentan nicht notwendigen Winterutensilien, wie Mütze, Schal und Skianzug, schwebt der Arzt herein und es entspannt sich ein Dialog:

Arzt (während er wie nebenbei grüßt und noch bevor er auf seinem Stuhl gelandet ist): Hallogutentagwiegeht’s und was hat der kleine Mann denn für ein Problem?

ich (sorgsam darauf bedacht, nicht einfach mit der Tür ins Haus zu fallen sondern eine Gesprächsbeziehung aufzubauen, damit wir harmonisch und mit dem Ergebnis einer Win-Win-Situation aus dem Termin gehen können): Einen schönen guten Tag. Wir möchten natürlich nicht mit einer laienhaften Deutung von Symptomen Ihrer fundierten fachlichen Diagnose vorgreifen.

Er (macht es sich gerade auf dem Stuhl bequem): Ja, ja, schon klar. Also: was hat der Herr Sohn denn?

ich (auf das Informationsbedürfnis meines Gegenübers eingehend): Vorsichtig die Symptome interpretierend würde ich auf Konjunktivitis tippen.

Er (blickt kurz auf, dabei dem Sohn aber tief in die Augen): Stimmt. Krankgeschrieben. Vorerst nicht zum Arbeiten in die Kita. Tropfen helfen. Details vorn am Tresen. Sonstnochwas?

ich: Ähh, so spontan jetzt nicht.

Er: Gutvielendankaufwiedersehen.
(geht ab)

Gesprächsdauer, alles in allem: circa vier Minuten. Als jemand, der sonst gern schon für die reine Terminabsprache länger benötigt, bin ich natürlich nicht nur beeindruckt sondern auch zutiefst betroffen. Wenn ich mich wieder erholt habe, was sicherlich länger dauern wird als beim Sohn, nehme ich mir ein Beispiel an meinem neuen Effizienztraineridol und werde auch meine Termine zeitnah und nachhaltig in ihrer Ausgestaltung optimieren.

Es könnte sich lohnen.

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2 Antworten zu “Effizienz

  1. Maximilian Buddenbohm Freitag, 19. Februar 2010 um 449

    Es soll ja Ärzte geben, da reicht es anzurufen und „krank“ zu sagen. Die fragen dann nur „Zettel?“ und das war’s. Doch, das gibt es.