Berufswunsch (8)

Man kann es gar nicht oft genug sagen: Die Berufswahl geht durch den Magen. Das ist auch vollkommen in Ordnung so. Denn bei Tisch, da setzt sich die Familie zusammen, nimmt sich Zeit und erlaubt großartige Gespräche über die weitere Zukunftsplanung.

Fast wortlos, manchmal.

Zum Beispiel, wenn der Sohn gedankenverloren vor seinem Käsebrot sitzt. Es greift und wendet. Von allen Seiten sorgfältig begutachtet. Schließlich herzhaft hereinbeißt und zufrieden guckt. Fragende Blicke beantwortet er mit einem schlichten: Loch! Nur durch weitere, hartnäckig unverändert fragende Blicke lässt er sich zu ganzen Sätzen motivieren: Das Loch schmeckt am besten. Mehr Löcher bitte!

Loch für Loch: So verbringt er ganze Mahlzeiten. Und wehe, die Eltern schneiden mal versehentlich das Stück eines Loches weg. Dann ist es auf einmal der Sohn, der sehr fragend guckt. Und mit Nachdruck um Korrektur, also ein neues Käsebrot, bittet. Mit vollständigem Loch, versteht sich.

Und wenn es das einmal nicht geben sollte oder der Käse nicht von Natur aus hinreichend mit Löchern ausgestattet ist, legt der Nachwuchs eben selbst Hand an. Dann bohrt er lange und gründlich Löcher von großer Gleichmäßigkeit in den Käse. Das Loch schmeckt am besten! – sagt er und guckt zufrieden.

Die Zukunftsplanung ist geklärt: Der Sohn wird mal Schweizer.

Advertisements

2 Antworten zu “Berufswunsch (8)

  1. Maximilian Buddenbohm Donnerstag, 7. Januar 2010 um 581

    Schweizer! Wir wollen doch hoffen, es wird noch alles gut werden. Es gibt so viele anständige Berufe.

  2. PR - Papa R Donnerstag, 7. Januar 2010 um 900

    Ach, der gemeine Schweizer ist sicher hochanständig. Was beachtenswert ist, wenn man sieht, wie wenig Küste er vor seiner Haustür hat.