Aus dem Regal

Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich von David Foster Wallace, aus dem Amerikanischen von Marcus Ingendaay

Was macht man eigentlich im Urlaub? Verreisen? Ein Buch lesen? Warum nicht mal ein Buch über das Verreisen lesen? Dieses hier von David Foster Wallace zum Beispiel.

Darin geht’s um eine Kreuzfahrt. Und ihre Reize. Und Überreize. Und Feinheiten. Und Details. Wie diese hier bei der Beschreibung des stillen Örtchens der Kajüte an Bord:

Sie haben übrigens richtig gehört: ein Unterdruck-Lokus. Aber wie schon bei der Lüftungsanlage in der Decke handelt es sich nicht um irgendwelchen Kinderkram, sondern sozusagen um die Vollversion, die große Lösung. Schon die Spülung verursacht ein kurzes, aber traumatisierendes Geräusch, ein Gurgeln in Höhe des dreigestrichenen C, wie ein gastrischer Tumult in kosmischem Maßstab, begleitet von knatternden Sauglauten, die Angst einflößend und tröstlich zugleich sind. Die eigenen Rückstände werden, so wird einem vermittelt, nicht einfach nur entfernt, sondern geadezu hinwegkatapultiert, und das so vehement, dass sie buchstäblich wesenlos werden … Schon beinahe eine existenzielle Entsorgungsmethode.

Am Absatz hängt abschließend noch ein Paar von gleich zwei Fußnoten, eine davon umfasst auch mehr als eine Seite. Sie weist auch eine weitere Spezialität des Romans auf: die Fußnote in der Fußnote. Sieht man ja auch nicht jeden Tag. Das ist aber noch nicht alles an Fußnotenbesonderheiten. Zwei weitere gibt es: die in Klammern eingeschlossene Anmerkung im Fließtext, ganz ohne Fußnote, und die Fußnote, welche komplett nur aus einer in Klammern eingeschlossenen Anmerkung besteht.

Das kann doch kein Mensch lesen? Könnte man meinen, vor allem nach all dem unendlichen Spaß, der im letzten Jahr um die Jahrhundertübersetzung von Wallace‘ Hauptwerk gemacht wurde. Es stimmt aber gar nicht. Es geht. Dieses Buch hier ist lesbar. Sehr gut sogar. Und sehr unterhaltsam. Und so anschaulich, dass man sich den Unterhaltungswert einer Kreuzfahrt zwar gut vorstellen kann, ihn aber schon in der Gegenwart problemlos den anderen überlassen kann. Urlaub hin oder her.

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