Retrospektive. Oder: Mama und Papa sind wie Ying und Yang

Zum Jahresausklang heißt es: Revue passieren lassen. Was hat das letzte Jahr gebracht? Was gab es neues? Was könnte es für die Zukunft bedeuten?

Schauen wir uns zum Beispiel die sprachliche Entwicklung des Sohnes an. Damit ging’s erheblich voran im gerade vergehenden Jahr. Von onomatopoetischen Grundlagen ging es hin zu ausführlichen Erörterungen sinntragender Lebensphilosophien. Manchmal zumindest.

Zwischendurch schien es dabei, als ob der Sohn bei seinem Lerneifer recht eigensinnige Prioritäten setzt. Vieles schien beispielsweise wichtiger als »Papa« zu sein. Letztendlich war das natürlich nichts anderes als sprachliche Effizienz, ganz klar. Natürlich kennt er nicht nur die Dame des Hauses beim Namen sondern auch den großen Mann in der Familie. Dass es ihm dabei nicht nur um das Nachplappern irgendwelcher vorgegebenen Wörter geht, sondern darum, deren Sinn wirklich zu verstehen, merkt man leicht bei genauerem Zuhören.

Zum Beispiel, wenn der Sohn fragt, warum es in seinem Piratenbuch nur einen Papagei, aber keinen Mamagei gibt. Zum Papa gehört die Mama, da kommt der Gei nicht drum herum.

Aber gilt das auch umgekehrt, Herr Sohn?

Na klar: schon beim Frühstück fragt er zusätzlich zur Mamalade nach der Papalade. Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig. Da kann nicht nur ein Elternteil im Glas sitzen.

Und passend zum Sitzen fällt dem Sohn gleich wieder etwas auf und ein neues Wort ein. Das Stück Keramik an der Wand im Bad heißt: Papalette. Ich frage besser nicht, wie er darauf kommt, räume aber erst einmal meine Zeitungen an einen anderen Ort der Wohnung.

Und ich stelle fest: Ein Wort fehlt hier. Immerhin steht jetzt erst einmal ein ganz frisches Jahr vor der Tür. Ich bin mir sicher, der Sohn wird es nutzen und sich etwas passendes einfallen lassen.

Advertisements

Comments are closed.