Heiligabend

Kleiner Tipp für alle, die während eines großartigen Tages vielleicht nicht ganz mitbekommen haben, was die ganze Zeit so passiert ist: abends einfach den Sohn ins Bett bringen. Kurz vor dem Einschlafen ist schließlich die beste Zeit, um das Erlebte des Tages noch einmal Revue passieren zu lassen. Das klingt beim Sohn dann so: Eiertauschen gehen! Schlitten fahren! Katze gucken! Kirche gehen, Zug fahren! Mann kommt! Essen! Bauch dick! Keller gehen!

In der Langfassung für alle Nichteingeweihten bedeutet das dann, der Reihe nach:

Eiertauschen gehen: Dies ist eine Variante des Klingelns beim Nachbarn, um die nicht mehr vorhandenen Vorräte der beim Einkaufen vergessenen Lebensmittel wieder aufzufüllen. Anstatt einfach mit leeren Händen loszuziehen, geht es hier darum, z.B. ein paar Eier mitzunehmen, um sie beim freundlichen Nachbarn gegen andere einzutauschen. Warum? Nicht fragen. Ich sage nur: Tiramisu, Zutaten, wichtig und: lecker.

Schlitten fahren: Das bedarf keiner großen Erklärung, oder? Weihnachten, Schnee, Schlitten fahren: alles eins. Funktioniert übrigens am besten, wenn es sich die gesamte Familie auf dem Schlitten bequem macht und der Herr Papa das Gefährt vorne zieht. Als moderner Mann von heute macht er das natürlich am liebsten den Rodelberg hinauf. Runter geht’s auch ohne ihn.

Katze gucken: Lohnt sich nur als abendliche Erklärung, wenn man selbst gar keine Katze hat, sondern im Laufe des Tages das Getier des Nachbarn vor dem Fenster vorbeiziehen sieht. Es ist aber unerheblich, ob’s der Nachbar mit den getauschten Eiern oder ein anderer ist.

Kirche gehen, Zug fahren: Funktioniert beides nur in direkter Kombination. Warum? Nicht fragen. Oder anders gesagt: einfach mal selbst in die Kirche gehen. Dabei spät dran sein, möglichst in der letzten Reihe sitzen und schlicht die Augen aufsperren. Dann erschließt sich die Parallele zum Zugfahren ganz schnell. Inklusive Schaffner, der durch den Mittelgang nach vorn läuft und viele Geschichten erzählt, denen niemand außer dem Sohn einen Szenenapplaus spendet.

Mann kommt: Heiligabend. Mehr muss ich dazu nicht sagen, oder?

Essen: Genau: Weihnachten. Dabei auf gar keinen Fall das Tiramisu vergessen!

Bauch dick: Wer hier gleich an eine Verbindung zum Essen denkt, projiziert natürlich unzulässig seine eigenen Weihnachtserfahrungen auf die Erlebnisse eines gerade mal Zweijährigen. Für diesen wurden nur spontan ein paar Aspekte des Mannes von vorher klar, die nichts mit dem Sack voller Geschenke zu tun haben.

Keller gehen: Das hat wiederum viel mit dem Mann und seinen Geschenken zu tun. Zumindest, wenn diverses Werkzeug und eine Bohrmaschine mit dabei waren. Dann macht man als Enkel das, was Männer halt so machen: Opa schnappen, in den Keller gehen und Löcher bohren.

Fehlt nur noch ins Bett gehen und Schlafen. Aber keine Angst: einfach den Sohn ins Bett bringen und ihn seine Gutenachtgeschichten selbst erzählen lassen. Irgendwann fällt er einfach um und man kann sich ganz in Ruhe seinen eigenen Geschenken widmen.

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