Aus dem Regal

Ich schlage vor, dass wir uns küssen von Rayk Wieland

Cover zu Ich schlage vor, dass wir uns küssen Streng genommen ist die DDR als Romanthema stinkelangweilig. Aber nach der Sache mit dem Roster kürzlich, musste das jetzt trotzdem sein: Ein DDR-Buch. Also eines über die DDR, nicht eines aus dieser. Immerhin ist es kein Wenderoman. Spätestens seit Moskauer Eis sollte es davon eh keine neuen mehr geben. Und das erschien schon vor mehreren Jahren.

Hier geht es um einen unterdrückten Untergrunddichter, der eigentlich gar keiner war. Den die Stasi aber für einen solchen hielt, da sie die Gedichte, die er aus der DDR an seine Freundin in München geschickt hat, nicht nur las, sondern auch kommentierte und als Akte sorgfältig aufbewahrte. Zwanzig Jahre nach dem Ende des ganzen Spuks wird der Protagonist mit dieser Sammlung konfrontiert, wundert sich, erinnert sich, zumindest in Teilen, und wir erfahren sogar, was aus der großartigen, Mauer-überwindenden Liebesbeziehung später, also ohne Mauer, geworden ist.

Und wir bekommen die Gedichte. Dieses zum Beispiel:

Äpfel, mit Birnen verglichen

Sie ist eine Birne.
Ein Apfel ist er.
Und ein Vergleich fällt
Durchaus nicht schwer.

Er hängt am Apfel-,
Am Birnenbaum hängt sie.
Vergleichbarer geht’s kaum
In der Obst-Szenerie.

Sie schmeckt es-geht-so,
Er so-es-geht.
Das klingt nicht, als ob kein
Vergleich gehn tun tät.

Gestern mit morgen,
Geld mit Papier,
Frauen mit Männern,
Woanders mit hier.

Verglichen wird vieles,
Was gerade paßt.
Bierdurst mit Sterben,
Knackwurst mit Knast.

Liebe mit Sternstaub
Und Text mit Kompott
Und Schweine mit Alltag
Und Würfeln mit Gott.

Und Krieg mit Familie
Und Ärsche mit Hirnen.
Man kann alles vergleichen,
Auch Äpfel mit Birnen.

Dazu hatte ich beim Lesen gleich einen Ohrwurm im Kopf: die Schweinereime von DJ Koze. Warum, kann ich natürlich nicht sagen.

Buch: Empfehlung? Keine. Aber wer auf der Suche nach nett unterhaltendem groben Unfug ist, wird hier fündig.

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