Auf den Punkt gebracht

Feierabend. Kurz vor der eigenen Haustür kracht es kurz und das Viertel versammelt sich an der Hausecke. Grund des Kieztreffens ist der Eckladen. Der steht zwar leer, hat aber jetzt – ganz neu! – ein demoliertes Schaufenster. Eine gründliche Lageanalyse des Kriminologenteams bestehend aus Kneipier, Parkhauswächter, Ladenbesitzerin von gegenüber und Anwohnern lässt ein recht unelegant quer auf der Straße stehendes Malereidienstfahrzeug verdächtig aussehen. Weitere Analysen, Theorien und ausschweifenden Lästereien bringen auch einen glasklaren Tathergang zum Vorschein. Mitsamt Halteverbot, nicht eingelegtem Gang, ignorierter Handbremse, schräger Rampe, kinetischer Energie und einem Zusammentreffen von Wagenheck, Hängerkupplung und Schaufensterscheibe. Alles wortreich ausgeschmückt mit Theorien über den Verbleib des Fahrers. Panisch geflüchtet? Schläft noch im Auto zwischen den Farbeimern? Längst im Feierabend? Vielleicht auf ein Bier in der Kneipe nebenan?

Der Sohn guckt sich derweil das ganze Schauspiel in Ruhe an. Beobachtet alles mit entspannter Mine, überlegt kurz, ob er sich die Sonnenbrille zurecht rücken sollte, merkt, dass er gar keine Sonnenbrille dabei hat, rückt statt dessen seine Mütze zurecht und sagt nicht mehr als drei Worte: »Auto, Fenster, kaputt.«

So präzise haben wir es alle nicht auf den Punkt bringen können.

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