Aus dem Regal

Monsieur, der Hummer und ich von Stevan Paul

Eigentlich kennt man Stevan Paul gar nicht. Man kennt vielleicht Herrn Paulsen. Der hatte mal ein tolles Blog und er hatte auch mal eine tolle Lesereihe, wenn man so etwas wie eine Lesereihe denn überhaupt haben kann.

Jetzt hat Herr Paulsen ein neues Blog und mit Monsieur, der Hummer und ich ein Buch auf dem Markt. Beides, Blog und Buch, erzählen Geschichten vom Essen, rund ums Essen, zum Kochen, vom Erleben, aus der Küche, von unterwegs. Im Buch gibt es sogar Rezepte.

Und im Buch gibt es Überraschungen. Wie zum Beispiel jene, dass in der Gegend, in der ich einmal viele Jahre lang aufgewachsen bin, die Bratwürste Roster hießen.

Ich winkte ihm entschuldigend zu, und als ich an der Reihe war, murmelte ich leise und demütig: »Roster, bitte.«

Gerne hätte ich dem freundlichen Rostergriller präzisere Informationen gegeben, doch erst kurz vor dem Grill, ich spürte schon die Hitze der Kohle, fiel mir auf, dass ich keinen Schimmer hatte, ob es jetzt der oder die Roster heißt, einen oder eine Roster. Das Geschlecht der ostdeutschen Bratwurst, bemerkte ich beschämt, war mir gänzlich unbekannt! So murmelte ich meine Bestellung geschlechtsneutral, der freundliche Grillmeister verstand und reichte mir eine Bratwurst. Sogar mit Senf. Brot schien es auch gerade zu geben, und ich steckte nach dem Bezahlen erstaunt fast meine gesamte Reisekasse wieder ein. Günstig! Direkt am Grill biss ich in die Wurst, heißes Fett spritzte zwischen würzigen, groben Fleischstücken hervor, sogar ganze Senfkörner waren in der Wurst zu entdecken, sie schmeckte pfeffrig scharf, mit dem kräftigen Raucharoma der offenen Glut, der Senf neben der Wurst brannte bis in die Nase hinauf. Herr Kramer lehnte meinen solidarisch angebotenen Probier-Bissen ab, es gäbe doch gleich Mittagessen und außerdem heute abend Ärger für mich. War mir Wurst.

Roster. Das wusste ich nicht. Das hätte ich sogar ganz sicher abgestritten. Aber Nachfragen bei anderen Flüchtlingen, die jetzt hier im tiefen Westen stecken, hat ergeben: Es stimmt wohl. Und für mich waren damals Broiler wohl die bessere Mahlzeit.

Heute empfehle ich den Herrn Paulsen, sehr sogar. Lecker, die Texte.

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Eine Antwort zu “Aus dem Regal

  1. Herr Paulsen Mittwoch, 21. Oktober 2009 um 503

    Oh! Vielen herzlichen Dank für die Besprechung!