Ist weg

In der Kita sitzen drei Jungs unaufgeregt im Sand, ein Mädel lehnt betont desinteressiert an einem nahen Pfeiler, eines entspannt auf den Armen des Erziehers. Die dritte Dame der Runde hat gerade auf dem Weg nach draußen die Sonnenbrille von ihrer Mama stibitzt und mit ernster Mine sich selbst aufgesetzt.

Diese Runde störst Du besser nicht. – dachte ich mir und habe mich erst einmal augenscheinlich egalisiert daneben gesetzt. Was ist schon etwas Sand auf der Anzugshose gegen den klaren Ausdrucks des feinsinnigen Verstehens der großen Schauspiele kleiner Leute? Eben.

Der Sohn schien dankbar. Aber wenn er überhaupt eine Regung zeigte, dann war es nur das leichte Zucken einer Augenbraue. Kaum sichtbar. Ein Zeichen nur zwischen Sohn und Papa. Wortlos reichte er mir einen Stoffelefanten. Wortlos gab ich diesen an seinen schweigsamen Spielkameraden weiter. Lässig nahm er ihn entgegen. Wortlos reichte der Sohn mir ein Bilderbuch. Das gleiche Spiel.

Dann nichts.

Auf einmal: »Das Auto ist weg.« Mein Herz bleibt fast stehen. Nach etwa drei Atemzügen fängt es sich aber wieder. Die Worte kamen aus meinem Rücken. Vom dritten der Kleinen, welcher jetzt an der anderen Seite des Pfahls mit dem Mädchen daran lehnte. »Das Auto ist weg!«

Ich steige aus und stehe auf. Schnappe mir den Sohn. Wanke nach draußen. Er sagt noch immer kein Wort. Sitzt aber fest auf meinem Arm, schnappt sich mit sicherem Griff die Sonnenbrille von meinem Kopf und setzt sie sich selbst auf.

Wir gehen ab.

Resümee: Anzug dreckig. Sonnenbrille weg. Sohn offensichtlich mental entrückt. Verstanden habe ich gar nichts. Aber morgen fahre ich direkt mit dem Auto beim Sandkasten vor. Das hilft bestimmt.

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