Aus dem Regal

Lagerfeuer von Julia Franck

Eines der Lieblingsbücher des Sohnes beim Griff in das häusliche Regal ist Moskauer Eis von Annett Gröschner. Großartig. Das zeugt von Stil.

Was er schon lange nicht mehr heraus geholt hat: Zonenkinder. Gut so. Lohnt sich nämlich eh nicht. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich das Stück auch schon eine Weile selbst nicht mehr gesehen. Möglicherweise hat der Sohn es heimlich um die Ecke gebracht, damit sich niemand die Finger daran schmutzig macht. Schlaues Kind.

Was der Sohn bestimmt nicht aus dem Regal holen wird: Ingo Schulze. Den gibt’s hier nämlich nicht und den wird’s hier auch nicht geben.

Das gilt so ähnlich auch für Den Turm vom Tellkamp. Wobei dieser gern noch zu Besuch kommen könnte, wenn er es schafft, den ganzen Rummel um ihn draußen zu lassen.

Julia Franck: Lagerfeuer Wie es leuchtet von Thomas Brussig steht zu weit oben. Da kommt der Sohn noch nicht heran.

Aber was hat das alles mit Lagerfeuer von Julia Franck zu tun?

Nicht viel. Korrekt. Das ist nämlich gar kein Wenderoman. Ganz anders als ich anfänglich dachte. Nein, denn es ist ein im-Westen-nicht-ankommen-Roman, kürzlich vom Herrn Nachwuchs aus dem Regal geangelt und stolz durch den Raum geworfen. Dabei ist es die Geschichte von ein paar Leuten, die zwar aus dem Osten heraus gekommen sind, es im Westen aber nur bis in das Aufnahmelager geschafft haben:

Aber wo bist du gelandet? Ist dir nicht aufgefallen, daß wir in einem Lager wohnen mit einer Mauer drumherum, in einer Stadt mit einer Mauer drumherum, mitten in einem Land mit einer Mauer drumherum.

Es ist komisch. Es ist dramatisch. Es ist komisch dramatisch.

Und es ist lesenswert.

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