Rituale sind Rituale

Damit der Nachwuchs sich in seinem Leben ganz großartig entwickeln kann, sind seine Erziehungsberechtigten dabei, die eine oder andere Konstante im Alltag mit unter zu bringen. Das schafft Routine, somit Vertrauen und bestimmt ein famoses Fundament der puren Glückseligkeit in der Evolutionsgeschichte des kleinen Mannes.

Ein solcher Pol des Vertrauten ist das allabendliche Schlafengehen. Die Dame des Hauses ist in Sachen ordentlicher zu-Bett-geh-Rituale natürlich die zuständige QM-Beauftragte in der Familie und überwacht das Einhalten eines ordentlichen abendtäglichen Rhythmus‘. Alberne Spielereien sind zu dieser Zeit des Tages unangebracht. Ungehörige Belustigungen der Männer der Familie ebenso. Und selbstverständlich ist zu viel Aktionismus dem Gestalten der erwünschten Nachtruhe eher ab- als zuträglich.

Der moderne Mann von heute knirscht also mit den Zähnen und widmet seine ganze Energie eben nicht der Unterhaltung des Sohnes sondern dem fast schon beiläufig anmutenden Einlullen des kleinen Mannes damit dieser für süße Träume in die Nacht entdriftet.

Das klappt für gewöhnlich sogar ganz gut.

Ganz anders sieht es selbstverständlich aus, wenn die bezaubernde Dame des Hauses sich des Abends einmal ihren wohlverdienten Ausgang gönnt. An Tagen wie diesen sind die Herren unter sich. Alle Möglichkeiten stehen ihnen offen, um die traute Zeit zu zweit zu gestalten als gäbe es keinen nächsten Tag.

Da wird gespielt, gelacht, gesungen, sich gegenseitig die Taschen vollgehauen. Da werden Situps sogar am Abend gemacht, diese allerdings nur vom kleinen, nicht vom großen Mann.

Wie deprimierend ist es in solchen Momenten der scheinbaren Ekstase, wenn der kleine Mann nach nur zehn Minuten grandioser Unterhaltung spontan den Kopf zur Seite dreht und auf der Stelle tief und fest schläft? Sehr. Also wirklich. Was soll aus so einem tiefenentspannten Kind nur später einmal werden?

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Eine Antwort zu “Rituale sind Rituale

  1. Karina Marlena Sareyka Dienstag, 29. April 2008 um 945

    nette Geschichte, schön mal sowas aus’m Leben zu lesen