Wie die Natur und die Evolution ihre Balance verloren haben

Die Natur macht komische Sachen. Oder besser gesagt: Die Natur denkt sich komische Sachen aus. Denn sie ist ja eine sehr kreative. Das muss man ihr lassen.

So hat sie all das geschaffen, was wir gemeinhin Leben nennen. Und verkörpert es auch gleich selbst. Luft. Wasser. Erde. Gern auch Feuer. Alles Natur. Pflanzen hat sie sich ausgedacht. Tiere auch. Auch uns Menschen. Und bei allem hat sie sich offenbar große Mühe gegeben, um insgesamt mit einer sowohl kreativen als auch ausgeglichenen Mischung der Vielfalten aufzutreten.

Da gibt es große Pflanzen, kleine Pflanzen, fleischfressende Pflanzen, Seerosen und Kakteen.

Dann gibt es große Tiere, kleine Tiere, brütende Tiere, Säugetiere.

Und uns Menschen? Gibt es natürlich auch in groß und klein. Aber vor allem hat die Natur sich einen Spaß gegönnt und uns zu dem gemacht, worauf wir stolz sind und woran wir leiden: aufrecht gehende Traglinge.

Der Mensch ist ein Tragling.

Fünf Worte, die eine ganze Evolutionsgeschichte beschreiben. An deren Ende stehen wir heute da und tragen den Nachwuchs auf dem Arm. Wenn er einen von dort anlacht, dann ist der moderne Mann von heute dankbar. Dankbar gegenüber der Natur, der Evolution, allem, was dieses Lachen und sein bewusstes Erleben ermöglicht.

Diese Freude und Dankbarkeit dauert genau so lange, bis der Nachwuchs einschläft. Einen Augenblick später fängt der moderne Mann von heute an, sich Gedanken über die Feinheiten der Gestaltungsfreiheit von Natur und Evolution zu machen. Gedanken, die darum kreisen, dass der kleine Mann auf einem Arm sitzt während der andere Arm mehr oder weniger intensiv genutzt herumhängt. Stützen, Streicheln, Mund abtupfen – das darf er machen. Sonst besser nichts oder das schlafende Kind wacht auf. Ohne Lachen.

Früher, als auch die alten Zeiten noch besser waren, früher durfte der Herr Papa auf dem freien Arm das erlegte Mammut für das Abendessen deponieren. Frauen durften dort das Beerenkörbchen anhängen. Aber heute? Mammuts ausgestorben. Beeren gibt’s vorsortiert und abgepackt auf dem Markt.

Was es nicht mehr gibt, ist eine natürlich gegebene Beschäftigung für den freien Arm, welche für eine wohlige Balance sorgt. Was aber bleibt ohne Balance? Einseitig belastete Traglinge mit Rückenleiden. Eine ausgeglichener Harmonie scheint ganz weit weg. Der aufrechte Gang bald auch.

Ich sag‘ ja: Die Natur macht komische Sachen.

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2 Antworten zu “Wie die Natur und die Evolution ihre Balance verloren haben

  1. Matthes Samstag, 16. Februar 2008 um 610

    Ok.
    Ich sehe mal von dem „die Natur hat sich was ausgedacht“-Zeug ab, denn Biologen sind in dieser Hinsicht (Definitionen von z. B. der Evolution) echte Haarspalter.
    Aber: ein zweites Kind auf der anderen Seite stellte die Balance wieder her. Fast. Hängt natürlich davon ab, wie groß der Altersunterschied (eine Korrelation mit dem Gewicht vorausgesetzt) zwischen den Kinder ist.
    Je kleiner dieser ist, desto besser ist der moderne Mann im Gleichgewicht…

  2. PR - Papa R Samstag, 16. Februar 2008 um 001

    Guter Punkt. Ein drittes käme dann vielleicht auf die Schulter. Nummer vier und fünf werden auf Bauch und Rücken gebunden.

    Ich sehe: das ganze skaliert noch eine Weile. Da bin ich doch sehr beruhigt.