Tortenheber

Posted Montag, 23. November 2009 by PR - Papa R
Categories: dame des hauses, sprachentwicklung

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Ein kleiner Dialog zwischen der Dame des Hauses und dem kleinen Mann am Kaffeetisch:

Er: Messer!
Sie: Nein, mein Sohn, das ist ein Tortenheber.
Er: Messer?
Sie: Tortenheber.
Er: Tortenheber?
Sie: Tortenheber. Das ist so etwas wie ein Ponton für den Tisch, mit dem man Kuchen transportieren kann.
Er: Ah. Tortenheber.

So ein Urlaub am Wasser ist nicht nur erholsam, sondern auch in Bildungsfragen sehr zu empfehlen.

Milchtisch

Posted Freitag, 20. November 2009 by PR - Papa R
Categories: moderner mann, spielen

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Mit Tischsitten hat’s der kleine Mann. Das ist soweit weder neu noch überrascht es. Der Sohn hat einen ganz natürlich wirkenden, souveränen Umgang mit allem, was Essen, Trinken und das jeweils zugehörige Werkzeug anbelangt. Trotzdem kann gelegentlich ein kleines Malheur passieren. Als moderner Mann von heute lasse ich mich davon klarerweise wenig beeindrucken. Wichtig ist nicht, was passiert, sondern was man daraus macht. Soviel habe ich mittlerweile vom Nachwuchs gelernt.

Was macht man also, wenn beispielsweise die Milchtasse des Sohnes einfach umkippt obwohl sie noch gar nicht leer war? Richtig: man bleibt ganz gelassen, guckt sich den wachsenden Milchsee in Ruhe an, wechselt einen Blick mit dem Sohn, nickt kurz und textet dazu:

Mit Milch auf dem Tisch wird der Tisch zum Milchtisch.

Klingt wie ein Zungenbrecher? Ist gar keiner! Es geht ganz einfach von den Lippen. Das kann jeder am Tisch. Ausprobieren! Man kann es sogar singen. Melodie? Dazu sagt der Sohn nur: Hast Du keine, such Dir eine! Eingängig sollte es sein. Und ein gekonnt intonierter Sprechgesang geht auch. Als Höhepunkt sorgt ein ganze-Familie-Kanon garantiert für großartige Stimmung bei Tisch.

Überraschend ist es, dass am Ende natürlich trotzdem irgendjemand die Sauerei wieder sauber machen muss.

Werkstatttermin

Posted Montag, 9. November 2009 by PR - Papa R
Categories: beobachtungsgabe

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Es ist kalt. Es wird vielleicht glatt. Auf jeden Fall kommt jetzt der Winter. Da gehören die korrekten Reifen an das Auto. Also haben der Sohn und ich uns an die Arbeit gemacht. Wir haben am Wagen die Reifen gewechselt.

Das ist ja gar nicht schwer, sagt der Sohn. Er hat auch ganz genau hingeschaut. Alles, was man braucht, ist eigentlich ein Maulschlüssel. Damit lassen sich die Räder locker und wieder fest schrauben. Die Sache mit dem Wagenheber hat er etwas zweifelnd beobachtet. Das Konzept schien ihm nicht recht sinnig zu sein.

Er übt jetzt fleissig selbst und zeigt mir, wie man es richtig macht. In einem bin ich beruhigt: die Wahl des Werkzeugs war wohl gar nicht so schlecht. So ein Maulschlüssel ist eine nützliche Sache.

Sohn mit Maulschlüssel beim Reifenwechsel

Den Wagenheber braucht allerdings niemand. Viel einfacher ist es doch, das Auto schlicht auf die Seite zu legen. Da hätte ich auch selbst drauf kommen können. Verläuft die Arbeit wie geplant, setzt sich der Sohn nach jedem Reifen entspannt vor das Auto und betrachtet die Lage. Sieht alles gut aus, ruft er laut Bravo! und spendet frenetisch Applaus.

Sohn mit Maulschlüssel und Hammer Aber wehe es geht etwas schief. Dann heißt es nicht Bravo! sondern Manometa! Und der Sohn zückt sein heimlich bereit gelegtes Reservewerkzeug: einen Hammer. Mit diesem werden Reifen und Auto so lange malträtiert, bis sie sich freiwillig wieder aufrichten, um dem Meister zu zeigen, dass alles in bester Ordnung ist und der Wagen mitsamt Reifen hervorragend in der Spur liegen.

So oder so: der Sohn hat’s im Griff.

Bei dem nächsten Saisonwechsel lasse ich die Arbeit gleich den Sohn machen. Ich setze mich einfach daneben und gucke ihm zu. Sämtliche Hammer bringe ich vorher dezent in Sicherheit, aber frenetischen Applaus und ein lautes Bravo! bekomme ich ganz bestimmt überzeugend hin.

Aus dem Regal

Posted Freitag, 6. November 2009 by PR - Papa R
Categories: aus dem regal

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Ich schlage vor, dass wir uns küssen von Rayk Wieland

Cover zu Ich schlage vor, dass wir uns küssen Streng genommen ist die DDR als Romanthema stinkelangweilig. Aber nach der Sache mit dem Roster kürzlich, musste das jetzt trotzdem sein: Ein DDR-Buch. Also eines über die DDR, nicht eines aus dieser. Immerhin ist es kein Wenderoman. Spätestens seit Moskauer Eis sollte es davon eh keine neuen mehr geben. Und das erschien schon vor mehreren Jahren.

Hier geht es um einen unterdrückten Untergrunddichter, der eigentlich gar keiner war. Den die Stasi aber für einen solchen hielt, da sie die Gedichte, die er aus der DDR an seine Freundin in München geschickt hat, nicht nur las, sondern auch kommentierte und als Akte sorgfältig aufbewahrte. Zwanzig Jahre nach dem Ende des ganzen Spuks wird der Protagonist mit dieser Sammlung konfrontiert, wundert sich, erinnert sich, zumindest in Teilen, und wir erfahren sogar, was aus der großartigen, Mauer-überwindenden Liebesbeziehung später, also ohne Mauer, geworden ist.

Und wir bekommen die Gedichte. Dieses zum Beispiel:

Äpfel, mit Birnen verglichen

Sie ist eine Birne.
Ein Apfel ist er.
Und ein Vergleich fällt
Durchaus nicht schwer.

Er hängt am Apfel-,
Am Birnenbaum hängt sie.
Vergleichbarer geht’s kaum
In der Obst-Szenerie.

Sie schmeckt es-geht-so,
Er so-es-geht.
Das klingt nicht, als ob kein
Vergleich gehn tun tät.

Gestern mit morgen,
Geld mit Papier,
Frauen mit Männern,
Woanders mit hier.

Verglichen wird vieles,
Was gerade paßt.
Bierdurst mit Sterben,
Knackwurst mit Knast.

Liebe mit Sternstaub
Und Text mit Kompott
Und Schweine mit Alltag
Und Würfeln mit Gott.

Und Krieg mit Familie
Und Ärsche mit Hirnen.
Man kann alles vergleichen,
Auch Äpfel mit Birnen.

Dazu hatte ich beim Lesen gleich einen Ohrwurm im Kopf: die Schweinereime von DJ Koze. Warum, kann ich natürlich nicht sagen.

Buch: Empfehlung? Keine. Aber wer auf der Suche nach nett unterhaltendem groben Unfug ist, wird hier fündig.

Berufswunsch (7)

Posted Mittwoch, 4. November 2009 by PR - Papa R
Categories: berufswunsch

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Die Berufswahl geht durch den Magen. Das ist soweit nichts Neues. Neu scheint mir jedoch die Tragweite der Wahl dessen, was es eigentlich gerade zu Essen gibt. Selbst einfachste Gerichte können bei genauer Betrachtung erheblich bedeutungsschwanger werden. Ein schlichtes Spiegelei mit Brokkoli und Sättigungsbeilage etwa.

Denn wenn der Sohn einmal entdeckt hat, welchen Schatz er da vor sich liegen hat, wird dieser nicht mehr aus den Augen gelassen. Er wird vollkommen in Beschlag genommen. Jedwedes Einmischen anderer Stammesmitglieder wird als vollkommen abwegig abgetan und die neue Beute wird mit dem Auge fixiert, mit der Gabel attackiert und mit einer grazilen Bewegung schnell in Sicherheit gebracht, also aufgegessen. Das Ziel der Begierde ist ganz klar: das Spiegelei. Eier, sagt der Sohn; EIER!, meint er. Und diese Eier stellt er sicher. Bevor jemand anderes auch nur im Entferntesten die Bedeutung dieser Eier für den Sohn und die Nachwelt erahnen kann, isst er sie komplett auf. Erst danach macht er sich an die zweitklassigeren Schätze auf seinem Teller: Kartoffeln und Brokkoli. Er macht es nur zum Schein, versteht sich. Ist dabei nur halb bei der Sache. Stochert immer wieder mit der Gabel im Essen herum, zerlegt sorgfältig das Gemüse in seine Einzelteile, durchtrennt jede Kartoffel mehrfach, alles auf der Suche nach weiteren versteckten Eiern. Findet er neue homöopathische Dosen eben dieser, so werden sie bestaunt und genauestens durchsucht. Test bestanden? EIER! Und weg.

Ein wirklich Suchender beschränkt sich aber nicht nur auf sein Revier. Zumindest ein verstohlener Blick fällt ab und an auf die Gebiete der Nachbarn, hier also die Teller der Eltern. Und wenn diese kurz mit sich selbst beschäftigt sind, greift die Baggerschaufel kurz über den Tisch und der Sohn besorgt sich die begehrten Eier durch Tellerraub. Darüber sollten wir reden, denke ich. Und sage: Nein, mein Sohn, das ist meins.

Er: Meins!
Ich: Nein, meins.
Er: Meins?
Ich: Nein, meins, nicht Deins.
Er: Deins.
Ich: Genau, meins.
Er: Meins!

Letztendlich muss ich ihm eins lassen: Der Sohn hat einen ausgeprägten Sinn für gründliches Suchen, inklusive der Bereitschaft, beharrlich nach dem wirklich Wichtigen zu buddeln und darum zu kämpfen. Er wird wohl mal Archäologe.

Und das mit den Possessivpronomen und der Aufteilung, welches Essen nun zu wem am Tisch gehört, bekommen wir sicher trotzdem noch hin.

Zusammengesetzte Substantive

Posted Montag, 2. November 2009 by PR - Papa R
Categories: sprachentwicklung

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Dass der Sohn ein Sprachtalent ist, haben wir schon vor geraumer Zeit festgestellt. Das war in den Anfängen seiner verbalen Kommunikationsphase, in denen er durch sprachliche Effizienz bestach. Was liegt näher als sich in der weiteren Entwicklung wieder auf die eigenen Wurzeln zu besinnen? Eben. Und so schnappt sich der Sohn den Bagger von damals und erweitert ihn zur Baggerschaufel von heute. Und während es damals hauptsächlich darum ging, seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen, alle Geräte, die sich mit Bagger benennen lassen, sofort seiner Obhut anzuvertrauen, so ist er heute etwas bodenständiger geworden. Das bringt das Alter wohl so mit sich. Heute sind es nicht mehr die fernen und schwer erreichbaren Dinge, auf die er sich konzentriert. Heute ist es der Esstisch vor ihm. Und die Baggerschaufel ist nichts anderes als seine kleine Gabel, mit der er das Essen vom eigenen Teller und denen aller anderen am Tisch in seinen Mund befördert.

Ganz ähnlich sieht es mit dem Getränk zum Essen aus. Milch steht hoch im Kurs. Und obwohl der Sohn gerade als Stadtkind heran wächst, ist ihm vollkommen klar, dass Milch nicht aus dem Tetra Pak kommt, sondern aus der Kuh. Dieses Verständnis für die großen Zusammenhänge des Lebens beeindruckt nicht nur uns engeren Familienkreis. Selbst in der Kita waren sie vor kurzem sprachlos, als er stolz und wortreich sein Wissen über die Milchkuh dargelegt hat. Ich hoffe noch immer sehr, dass er es wirklich zu einem schönen Rind im Bilderbuch und nicht etwa einer der angestellten Damen des Hauses gesagt hat.

Nicht, dass ihm sein nächstes zusammengesetztes Substantiv drohen müsste: Hubschraubereinsatz. Ja, Hubschraubereinsatz. Es ist schließlich von Vorteil, die wirklich wichtigen Sachen als erstes zu erlernen. Dem entsprechend arbeitet der Sohn momentan mit Hochdruck an: Handtaschenräuber. Wenn das klappt, schafft er es endlich, eines seiner derzeitig beliebten Gute-Nacht-Lieder lautstark selbst zu singen: den besagten Hubschraubereinsatz von Foyer des Arts. Ob und wie er dann allerdings in den Schlaf findet, warten wir mal ab. Aber wenn ich so darüber nachdenke, klingt Tiefschlaf gar nicht mal so schwer.

Auf den Punkt gebracht

Posted Samstag, 24. Oktober 2009 by PR - Papa R
Categories: beobachtungsgabe

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Feierabend. Kurz vor der eigenen Haustür kracht es kurz und das Viertel versammelt sich an der Hausecke. Grund des Kieztreffens ist der Eckladen. Der steht zwar leer, hat aber jetzt – ganz neu! – ein demoliertes Schaufenster. Eine gründliche Lageanalyse des Kriminologenteams bestehend aus Kneipier, Parkhauswächter, Ladenbesitzerin von gegenüber und Anwohnern lässt ein recht unelegant quer auf der Straße stehendes Malereidienstfahrzeug verdächtig aussehen. Weitere Analysen, Theorien und ausschweifenden Lästereien bringen auch einen glasklaren Tathergang zum Vorschein. Mitsamt Halteverbot, nicht eingelegtem Gang, ignorierter Handbremse, schräger Rampe, kinetischer Energie und einem Zusammentreffen von Wagenheck, Hängerkupplung und Schaufensterscheibe. Alles wortreich ausgeschmückt mit Theorien über den Verbleib des Fahrers. Panisch geflüchtet? Schläft noch im Auto zwischen den Farbeimern? Längst im Feierabend? Vielleicht auf ein Bier in der Kneipe nebenan?

Der Sohn guckt sich derweil das ganze Schauspiel in Ruhe an. Beobachtet alles mit entspannter Mine, überlegt kurz, ob er sich die Sonnenbrille zurecht rücken sollte, merkt, dass er gar keine Sonnenbrille dabei hat, rückt statt dessen seine Mütze zurecht und sagt nicht mehr als drei Worte: »Auto, Fenster, kaputt.«

So präzise haben wir es alle nicht auf den Punkt bringen können.

Aus dem Regal

Posted Mittwoch, 21. Oktober 2009 by PR - Papa R
Categories: aus dem regal

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Monsieur, der Hummer und ich von Stevan Paul

Eigentlich kennt man Stevan Paul gar nicht. Man kennt vielleicht Herrn Paulsen. Der hatte mal ein tolles Blog und er hatte auch mal eine tolle Lesereihe, wenn man so etwas wie eine Lesereihe denn überhaupt haben kann.

Jetzt hat Herr Paulsen ein neues Blog und mit Monsieur, der Hummer und ich ein Buch auf dem Markt. Beides, Blog und Buch, erzählen Geschichten vom Essen, rund ums Essen, zum Kochen, vom Erleben, aus der Küche, von unterwegs. Im Buch gibt es sogar Rezepte.

Und im Buch gibt es Überraschungen. Wie zum Beispiel jene, dass in der Gegend, in der ich einmal viele Jahre lang aufgewachsen bin, die Bratwürste Roster hießen.

Ich winkte ihm entschuldigend zu, und als ich an der Reihe war, murmelte ich leise und demütig: »Roster, bitte.«

Gerne hätte ich dem freundlichen Rostergriller präzisere Informationen gegeben, doch erst kurz vor dem Grill, ich spürte schon die Hitze der Kohle, fiel mir auf, dass ich keinen Schimmer hatte, ob es jetzt der oder die Roster heißt, einen oder eine Roster. Das Geschlecht der ostdeutschen Bratwurst, bemerkte ich beschämt, war mir gänzlich unbekannt! So murmelte ich meine Bestellung geschlechtsneutral, der freundliche Grillmeister verstand und reichte mir eine Bratwurst. Sogar mit Senf. Brot schien es auch gerade zu geben, und ich steckte nach dem Bezahlen erstaunt fast meine gesamte Reisekasse wieder ein. Günstig! Direkt am Grill biss ich in die Wurst, heißes Fett spritzte zwischen würzigen, groben Fleischstücken hervor, sogar ganze Senfkörner waren in der Wurst zu entdecken, sie schmeckte pfeffrig scharf, mit dem kräftigen Raucharoma der offenen Glut, der Senf neben der Wurst brannte bis in die Nase hinauf. Herr Kramer lehnte meinen solidarisch angebotenen Probier-Bissen ab, es gäbe doch gleich Mittagessen und außerdem heute abend Ärger für mich. War mir Wurst.

Roster. Das wusste ich nicht. Das hätte ich sogar ganz sicher abgestritten. Aber Nachfragen bei anderen Flüchtlingen, die jetzt hier im tiefen Westen stecken, hat ergeben: Es stimmt wohl. Und für mich waren damals Broiler wohl die bessere Mahlzeit.

Heute empfehle ich den Herrn Paulsen, sehr sogar. Lecker, die Texte.

Häppchenweise

Posted Freitag, 9. Oktober 2009 by PR - Papa R
Categories: essen

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Sich die Erziehungssitten anderer Familien anzugucken, ist zwar interessant und unterhaltsam, hat meist aber wenig Sinn. Zu ungewöhnlich ist das, was die anderen machen. Zu schnell wirkt es vollkommen absurd und scheint jedweder auch nur halbwegs schlüssigen Logik zu entbehren. Dabei ist es recht unerheblich, worum es konkret gerade geht. Schlafen gehen und Wege zum Durchschlafen, Laufen lernen, Zähne bekommen, Musikinstrumente beherrschen, Reiten können, Autos fahren, am Tisch sitzend auch wirklich etwas essen: auf den ersten Blick sind es alles Banalitäten, nicht der Rede wert, ganz klar zu handhaben. Wenn nicht Die Anderen dabei trotzdem immer alles falsch machen würden. Manchmal überkommt einen das Gefühl, mit seinen Ansichten und familiären Gepflogenheiten ganz allein dazustehen.

Nur beim Essen, da gab es kürzlich eine Ausnahme: »Ein Happen für den Sohn« – hieß es, »ein Happen für den Papa« – folgte darauf. »Ein Happen für den Sohn, ein Happen für die Mama.« So geht es hin und her zwischen allen, die am Tisch sitzen und allem, was auf dem Tisch so vorzufinden ist: Kiwis, kleine Salamihäppchen, Stücke von belegten Broten, Oliven, Kirschtomaten. Ein Happen für den Sohn, ein Happen für die Mama, ein Happen für den Sohn, ein Happen für den Papa.

Alles ganz normal. Dieses Spiel gibt’s schon seit langem und dieses Spiel gibt’s auch heute noch in vielen Familien. Hier herrscht noch Einigkeit. Essen ist etwas elementares, da hört die Individualität auf. Da sind die Erziehungsmethoden alle eng beieinander. Ich finde das beruhigend.

Nur dass wir dieses Spiel nicht etwa spielen, um den Sohn zum Essen zu motivieren, sondern um auch selbst ein paar der aufgetischten Leckereien abzubekommen. Und nicht bei allen lediglich zuzusehen, wie sie im Sohn verschwinden.

Vielleicht werfe ich doch noch einmal einen Blick auf die Erziehungssitten anderer Leute. Möglicherweise springt etwas Nachtisch für mich dabei heraus.

Aus dem Regal

Posted Freitag, 2. Oktober 2009 by PR - Papa R
Categories: aus dem regal

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Diabolus von Dan Brown, Deutsch von Peter A. Schmidt

Es gibt ein paar von jenen, die auf der einen Seite die sprachliche Theorie lehren und sie auf der anderen Seite beim Schreiben von Büchern anwenden, die sich nachher passabel verkaufen. Umberto Eco ist so einer. Dan Brown ein anderer. Und bei einem kürzlichen Bookcrossing-Streifzug gab’s Diabolus. Ich hab’s dann auch gelesen.

Krimi. NSA. Jagt nach geheimem Code. Übereifer. Eifersucht. Happy End.

Soviel zum Inhalt.

Und man kann ruhig sagen: Sein Handwerk beherrscht Dan Brown. Der Text liest sich flüssig. So flüssig, dass man sich zwischendurch beim Luftholen fragt, ob es nicht ein deutsches Wort für Pageturner gibt. Und wie es das eigentlich mit Cliffhanger? Und müssen diese wirklich unbedingt an jedem Kapitel hinten dran hängen? Und muss das alles dem Leser so deutlich ins Gesicht springen? Hier, so:

Als er ein paar Augenblicke später die Calle Delicias hinuntergring, folgte ihm geräuschlos eine stumme Gestalt.

Ich bin sehr froh, dass ich das nicht dem Sohn vorgelesen habe. Vor lauter Aufregung wäre die nächtliche Ruhe garantiert für ein paar Wochen dahin. Aber ich frage ihn morgen mal, was er von Umberto Eco hält. Ist schließlich ein Italiener, ein temperamentvoller.

Man stelle sich vor, das Buch wäre spannend, überraschend und gut zu lesen gewesen. Ist es leider nicht. Und falls jemand auf der Suche nach passabler Kryptologen-Paranoia-Motivation ist, empfehle ich eher Cryptonomicon von Neal Stephenson.